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Integration von Flüchtlingen.

Ein Platz in der Werkstatt.

Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, wächst genauso wie der Bedarf an Mitarbeitern und Azubis hierzulande. Was liegt da näher, als Flüchtlinge einzustellen? Wie das funktionieren kann, zeigt das Beispiel von Sayed Nabi Sherzadeh aus Afghanistan. Er fand in einer Wittenberger Verkaufswerkstatt für Anhänger seine berufliche Zukunft. 

Roger Müller, der mit seit knapp 10 Jahren das AnhängerCenter in Wittenberg führt, erinnert sich. Im Sommer stand der Flüchtling Sayed Nabi Sherzadeh aus Afghanistan auf dem Hof zwischen den vielen Anhängern, er hatte sich einen Termin geben lassen und wollte sich um einen Arbeitsplatz bewerben. „Seine Art und sein Wille haben mir imponiert“, sagt der 38-Jährige Geschäftsführer. Erfahrungen in der Arbeit mit Anhängern oder in einer Werkstatt hatte Sayed zwar nicht, aber er zeigte sich wissbegierig, war in der Werkstatt nicht ungeschickt, brauchte aber dringend noch eine Sprachausbildung. Das Unternehmen erhielt Unterstützung vom Integrationsdienst der kommunalen Arbeiterwohlfahrt, die eine Sprachausbildung organsierten. „Den Wettbewerb um Fachkräfte können Unternehmen nur gewinnen, wenn sie Neuem gegenüber offen sind. Ich habe schon länger Unterstützung für mein junges Team gesucht, aber leider niemanden gefunden“, sagt Roger Müller.

Keine Frage der Sprache.
Gemeinsam entschieden sich Müller und Sayed zunächst für ein Praktikum, darauf folgte die Einstellung: Viele Schritte innerhalb der Werkstatt können einfach erlernt werden. Er montiert etwa Zubehör wie Planen und Laubgitter, prüft die elektrischen Anlagen eines Anhängers oder wechselt die Reifen. „Er hat sich reingekniet, ist hochmotiviert und bringt eine andere Perspektive mit, die sehr bereichernd ist“, betont Müller.

Sayed hatte in Afghanistan zwei ältere Brüder, die auf dem Weg zur Schule umgekommen sind, so dass er selbst dort nicht mehr hingehen konnte und floh.Er kam über den Iran und die Türkei nach Deutschland – weite Strecken zu Fuß. Seit 2011 ist er in Deutschland, wohnte drei Monate in der Zentralen Aufnahmestelle in Halberstadt und zog für zwei Jahre nach Gräfenhainichen und Möhlau (Landkreis Wittenberg) bis er einen Pass bekam und sich entschloss nach Wittenberg zu ziehen, weil dort die Chance auf Arbeit größer sei. „Ich sehe Wittenberg nun als meine zweite Heimat mit Zukunft. Momentan kann ich mir nicht vorstellen wieder zurückzukehren“, erklärt der 23-Jährige, der keinen Kontakt mehr zu seiner Familie in Afghanistan hat. Mit den Kollegen hat er sich bereits angefreundet und unternimmt auch am Wochenende Ausflüge mit ihnen, wie etwa zu Rallye-Veranstaltungen. Und auch seine fachliche Ausbildung treibt Chef Müller voran: In den nächsten Monaten wird Sayed mehrere Seminar bei Herstellern von Anhängern absolvieren, um noch intensiver in die Arbeit im Wittenberger Nussbaumweg einzutauchen.

Ein Bericht der IHK Halle Dessau, in Ihrem Magazin Mitteldeutsche Wirtschaft. 

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